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FBA / Deutsche Wirtschaft volle Kraft voraus

Demnach könnte die deutsche Wirtschaft nach der Weltrezession noch konkurrenzfähiger sein als zuvor.

 

Deutschland steckt in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte. Denn wegen ihrer ausgeprägten Exportausrichtung ist die deutsche Wirtschaft weitaus stärker vom Zusammenbruch der Weltkonjunktur betroffen als viele andere Industristaaten. Selbst im Mutterland der Krise, den USA, wird die Wirtschaftsleistung dieses Jahr nur etwa halb so stark sinken wie in Deutschland.

Dass der Einbruch in Deutschland noch stärker ausfällt als die Nachfragerückgang in wichtigsten Abnehmerstaaten hat einen simplen Grund: Deutschland exportiert vor allem Maschinen und Autos - und die sind in Krisenzeiten besonders wenig gefragt. Im April verkaufte die deutsche Wirtschaft fast 30 Prozent weniger Waren ins Ausland als noch vor einem Jahr. Ist das nun das Ende des jahrzehntelang erfolgreichen Geschäftsmodells? Müssen Wirtschaft und Politik umdenken und ihren Fokus künftig mehr auf das Inland legen? Zunehmend werden Zweifel an der deutschen Exportstrategie laut.

Allerdings zu Unrecht, folgt man einer Studie des privaten Forschungsinstituts Prognos. Provokant resümieren die Ökonomen: Die deutsche Wirtschaft hat alle Möglichkeiten, nach der Weltrezession noch konkurrenzfähiger zu sein als zuvor. "Ziehen Politik und Unternehmen aus dem jüngsten Exporteinbruch die richtigen Lehren, besteht die Chance, dass die Krise im Rückblick als schöpferisch bezeichnet werden kann", heißt es im Globalisierungsreport 2009, der dem Handelsblatt vorliegt. "Wenn einige Stellschrauben nachjustiert und im Aufschwung angesammelte Ineffizienzen jetzt beseitigt werden, kann Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen", so Prognos-Experte Michael Böhmer.

Und Böhmer steht mit seiner Meinung keineswegs alleine da. Die deutsche Volkswirtschaft sei zwar stärker in die Weltwirtschaft integriert als andere Länder und leide deshalb auch heftiger unter dem weltweiten Abschwung, sagt etwa der Deutschland-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Dirk Schumacher. Das bedeute aber im Umkehrschluss, dass Deutschland auch besonders stark davon profitieren werde, wenn der globale Industriezyklus wieder anspringt.

Nicht alles, was jetzt als Gefahr gesehen werde, stelle auch tatsächlich eine Bedrohung für Deutschlands Geschäftmodell dar, meint Prognos. Der nachlassende Investitionshunger der Schwellenländer und protektionistische Tendenzen wie etwa "Buy-American" dürften "eher temporäre" Erscheinungen sein. Ein "erstzunehmenderes Risiko" für Deutschland sei stattdessen die sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen. Autos steuerten im letzten Jahr 58 Prozent zum deutschen Handelsbilanzüberschuss bei, gefolgt von Exporten des Maschinenbaus und der Chemieindustrie. "Die Herausforderung für die Autoindustrie liegt darin, in schrumpfenden Märkten zu wachsen", so Prognos - und zwar ohne Abwrackprämien. Da Deutschland Weltspitze im Fahrzeugbau und in der Umwelttechnologie sei, habe es gute Chancen aus dem gestiegenen Umweltbewusstsein der Verbraucher Vorteile ziehen zu können.

Außerdem sollte die deutsche Exportstrategie neben den drei Schlüsselindustrien um weitere Standbeine ergänzt werden. Wachstumschancen böten vor allem handelbare Dienstleistungen. Neben dem Gesundheitssektor sehen die Prognos-Experten im Bereich von Beratungsangeboten für Unternehmen ungenutzte Potenziale. Statt Waren oder Dienstleistungen könnten in Zukunft verstärkt ganze Wertschöpfungsketten und Systeme exportiert werden.

Diese Einschätzung teilt auch DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann: "Export ist und bleibt die Triebfeder unseres Wohlstandes", sagt er dem Handelsblatt. Bei den Megathemen der Zukunft - Umwelttechnik, Energie- und Materialeffizienz, Gesundheitswirtschaft - sei Deutschland "international sehr gut positioniert".

Das Gesamtranking als Tabelle

Das Schicksal der deutschen Exporteure hängt aber nicht allein davon ab, was sie ausführen - sondern vor allem auch wohin. Dabei sollten sich die Unternehmen nicht vom falschen Charme der Trend-Regionen blenden lassen, sondern ihre Entscheidung anhand harter Fakten treffen. "Die wichtigsten Absatzmärkte bleiben die EU und die USA - obwohl sie in der Krise stark getroffen wurden", sagt Prognos-Ökonom Böhmer. Anhaltspunkte für unerschlossene Potenziale zeigt der Prognos Freihandels- und Investitionsindex auf. Die Analyse von 34 Einzelindikatoren von A wie Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis Z wie Zölle zeigt zwar, dass die attraktivsten Auslandsmärkte weiterhin in Europa, Nordamerika und Asien liegen. Er deckt aber auch auf, dass nicht die Riesen China und Indien zu den Top-Regionen Asiens zählen, sondern die hoch entwickelten Standorte Singapur, Hongkong und Japan. Selbst Malaysia ist für Unternehmen attraktiver als China und das krisengeschüttelte Thailand rangiert im Ranking der 100 attraktivsten Volkswirtschaften vor Indien.

"Es lohnt auf jeden Fall, auch mal die kleineren Staaten ins Blickfeld zu nehmen", sagt Prognos-Experte Böhmer. Denn auch den beiden anderen BRIC-Staaten ergeht es nicht besser als China und Indien: Brasilien landet auf Platz 62 im Weltranking und damit noch hinter seinen kleinen Nachbarn Peru und Kolumbien. Und Russland liegt mit Platz 66 noch hinter den einstigen Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Kasachstan.

Handelsblatt, 12.06.09

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